Evangelische Religion


Sterben – das tun doch nur die anderen, ...oder?

Exkursion der evangelischen Schüler auf den Lebacher Friedhof

Wieso sollten wir uns mit Themen beschäftigen, die uns das Herz schwer machen, die sogar irgendwie Angst machen, wenn man länger darüber nachdenkt? Diese und weitere Gründe werden sicherlich dafür verantwortlich sein, dass der Tod nicht „gesellschaftsfähig“, sogar quasi tabu für uns ist. Dabei ist gerade der Tod eine von wenigen Gegebenheiten, die uns Menschen und fast alle Lebewesen dieser Welt verbindet. Und so ist es doch unerlässlich, dass wir uns damit auseinandersetzen!

Das Fach Religion nimmt sich hierbei jener Themen an, die uns Menschen im Innersten betreffen und treffen – und das macht es so besonders. Die existentielle Frage nach dem Sinn des Seins führt unweigerlich zur Frage nach dem Sinn des Todes und dem, worauf man danach hoffen darf. Doch bevor wir im Unterricht über die Hoffnung der Auferstehung sprechen, nähern wir uns zunächst dem Sterben.

Das Treffen mit Frau Bethge vom Beerdigungsinstitut Bethge in Lebach stellt einen wichtigen Teil dieser Unterrichtsreihe dar und fand dieses Jahr wieder in der Klassenstufe 9 statt. Nachdem wir uns im Unterricht noch etwas distanziert mit Sterbeprozessen und Definitionen befasst haben, durften wir mit Frau Bethge über alles sprechen, was uns zum Thema Tod und Trauer in den Sinn kam. „Ihr dürft alles fragen!“ hörten wir direkt zu Beginn unserer Zusammenkunft auf dem Lebacher Friedhof. Gemeinsam mit Herrn Baus, dem Mitarbeiter von Frau Bethge, und Herrn Neises, dem Friedhofswärter, erkundeten wir Bereiche, die uns erst befremdlich erschienen. Wie fühlt sich ein Sarg innen an? Was wiegt er? Was geschieht bei einer Feuerbestattung? Was sind schlimme Momente im Leben einer Bestatterin oder eines Bestatters? Wie kommt man dazu, so einen Beruf auszuüben?

Viele Fragen wurden gestellt und geduldig beantwortet, mit viel Empathie und auch dem nötigen Humor, wo es passte. Ja, man darf auch mal lachen, wenn man vom Tod spricht!

Herr Neises führte unsere kleine Gruppe zu den Aufbahrungsräumen, in die Bereiche der Geistlichen und sogar in seinen eigenen Aufenthaltsraum, zeigte uns die verschiedenen Grabtypen und erzählte die eine oder andere Geschichte von Menschen, die nun hier ihre letzte Ruhe finden durften. Sogar drei Familiengruften sind noch da, aber auch imposante Grabmale von verstorbenen Priestern der Kirchengemeinde. Die Kindergräber haben uns alle sehr betroffen gemacht.

Den Abschluss bildete die Erkundung des Lernortes Kriegsgräberstätte Lebach, der unter anderem durch die Mitwirkung des JKG zu einer interessanten, bewegenden Beschäftigung mit Schicksalen von Lebachs Bürgern während des Zweiten Weltkrieges anregt.

Wir danken an dieser Stelle ausdrücklich Frau Bethge, Herrn Baus und Herrn Neises für den freundlichen Empfang und den kurzweiligen Vormittag, der uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird!

Die Schülerinnen und Schüler des Kurses Re 9 mit Frau Hoppstädter


Was passiert mit uns nach dem Tod?

Tod und Trauer, das sind Themen, die uns alle berühren. Und doch scheinen sie irgendwie weit weg von der Gesellschaft stattzufinden. Ein Grund mehr, dies im Religionsunterricht zur Sprache zu bringen! Die Schüler des evangelischen Religionskurses der Klassenstufe 10 begaben sich auf eine Exkursion der anderen Art zum Lebacher Friedhof. Dort erklärte Frau Bethge vom Beerdigungsinstitut Bethge in Lebach, was zur Arbeit des Bestatters gehört. Anschaulich und doch einfühlsam erklärte sie, was genau mit den Verstorbenen passiert und welche Möglichkeiten der Bestattung es gibt. Die Schüler durften Fragen stellen und konnten sich ein Bild von der Arbeit machen, die im Hintergrund eines Trauerfalls vonstatten geht. Besonders spannend war die Begehung der Aufbahrungskabinen und die Begutachtung eines Sarges, der unter Mithilfe der Schüler aus dem Leichenwagen getragen wurde. Aufgrund des schlechten Wetters fiel die Begehung des Friedhofes weitestgehend aus, dennoch war es ein sehr interessantes Erlebnis. Wir danken an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich Silke und Holger Bethge, die sich sehr viel Zeit für uns nahmen und uns ein Thema näherbrachten, das jeden betrifft, aber doch irgendwie fern erscheint.


Evangelischer Religionsunterricht

Wie Schnee in der Sahara – so fühlt man sich in Lebach und Umgebung als evangelischer Schüler und Lehrer.

Nirgendwo im Saarland ist die konfessionell-kulturelle Landschaft katholischer als hier. Und dabei ist unser Bundesland ohnehin das katholischste von allen 16. Was auch wieder Vorteile hat für die exotischen Evangolen, denn die kommen aus allen möglichen Parallelklassen zusammen, von beiden Gymnasien wohlgemerkt, um überhaupt einen Reli-Unterricht möglich zu machen. Das bedeutet Bewegung und Abwechslung, andere Gesichter und neue Ideen. Zweimal die Woche mindestens!
„Religion – das ist das, was uns unbedingt angeht“.
Mit Paul Tillich, dem berühmten Theologieprofessor gemeinsam teile ich die Hoffnung, dass wir immer genötigt werden, Grenzen zu sprengen.
Werte den Schülern näher bringen, ohne Kategorisierungen und Schubladendenken – auch außerhalb der ausgezeichneten Lehrpläne, steht im Zentrum unserer Bemühungen. Gott sei Dank, bleibt immer noch genug Zeit und Gelassenheit, die existentiellen Befindlichkeiten der Kinder mit einfließen zu lassen.
Wir wollen Gott einen guten Mann sein lassen, aber wir wollen auch hinter die Fassaden schauen. Biblische Geschichten sind immer auch Geschichten von und über uns selbst. Wo der Papst boxt, sollten wir wissen, und warum die Ökumene so eine mühsame Geschichte ist nach 2000 Jahren Kirchengeschichte. Brennende Scheiterhaufen im Mittelalter wurden noch nicht gelöscht. Überall auf der Welt schwelen die Feuer des Hasses und der Kriege.
Und wir wollen wissen, warum die Menschen sich dies antun, wo doch der Rabbi aus Nazaret ganz andere Botschaften aussandte und Franziskus und Hildegart von Bingen und Luther und Edith Stein und Bischof  Tutu und die vielen anderen!
Es geht uns einfach an, was da in der Welt geschieht. Und die Fragen, die aufgeworfen werden, treffen immer zu gleichen Teilen Herz und Kopf. Reli in der Schule – das hat was!
Die kleinen evangelischen Schneehäuflein in der Sahara von Lebach fühlen sich augenscheinlich ganz wohl.


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