Philosophie / Ethik

StR Hardy Heyos StRin Monika Rückher  

Gedanken zu den Unterrichtsfächern Philosophie/Ethik

„Sapere aude !  Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Kant) 

Jugendliche und Erwachsene haben ein Interesse, ihr Leben nicht nur zu leben, sondern es führen zu lernen, den Umgang miteinander zu regeln, sich bewusst zu machen, wie ihr Verhältnis zur Welt, zu Bedingtheiten ihrer Individualität, zu den Dingen und – nicht zuletzt – zum Unbedingten zu gestalten ist, zu Tod, Unsterblichkeit und Transzendenz. Dies scheint, mit Ausnahme existentieller Letztentscheidungen, nur vernünftig vollziehbar zu sein, nur zu gelingen im Miteinander, in der Kommunikation, im herrschaftsfreien Diskurs ( Habermas), wenn jeder den anderen als gleichberechtigten Partner anerkennt. 

Philosophieren soll gelernt werden!   Spätestens seit Kant wissen wir um die Relevanz dieses Postulats. Philosophie ist „Vernunftwissenschaft“. Gelingendes, vorurteilsfreies Philosophieren wäre gleichsam ein Training in der Kunst, transzendental (Kant) zu fragen, d.h. Rückfragen an die Bedingungen der Möglichkeit eines Sachverhalts oder unseres Tuns zu stellen, Fragen die eben nicht in der Richtung unserer  normalen Aufmerksamkeit liegen. 

Platons Anamnese, Kants Kopernikanische Wende, Hegels Vernunft, Sartres Blick, Camus` absurder Held, Poppers Vermutungswissen, ... sind bloß Etikettierungen auf scheinbar kurzem Weg ins Zentrum der Philosophie. Grundlegend gilt es, behutsam und umsichtig zu lesen, einem Denkweg nachzugehen, dem Kerngedanken nachzuspüren, dem Autor Verständnis und Respekt entgegenzubringen.

Wechselseitiges Verständnis und Toleranz gegenüber anderen Menschenbildern und Weltdeutungen sind der Anfang  allen Philosophierens. Dies darf nicht daran hindern, an Grundüberzeugungen festzuhalten. In der Reflexion  über kulturinvariante Grundfragen müsste herausgearbeitet werden, was an „Vernünftigkeit“ zum Beispiel in der Idee der Freiheit, in der Staatsform der Demokratie oder in den Menschenrechten zum Ausdruck kommt. 

Philosophie in der Schule bedeutet: Sich in alles einmischen und unbequem bleiben. Das grenzt an Provokation. Ihr Reichtum sind die Fragen, die Vermutungen, der Verdacht, die Verunsicherung, der Zweifel. Sie stellt sich oft quer zum gesunden Menschenverstand und den lieb gewordenen Denkgewohnheiten; sie argumentiert gegen den Strich und mutet den anderen zu, Bequemlichkeiten im Denken aufzugeben.

„Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt.“( Odo Marquard)


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