Johannes Kepler Gymnasium Lebach

Farbkontraste

 

  

Farbtheorie Der Farbe-an-sich-Kontrast 
Der Hell-Dunkel-Kontrast Der Kalt-Warm-Kontrast
Der Komplementärkontrast Der Qualitätskontrast
Der Quantitätskontrast Der Farbkreis nach Schopenhauer
Der Simultankontrast Komplementärfarbe

 

Farbtheorie

Farbtheorie

Das Phänomen der Farbe ist ein komplexes und bis heute oft widersprüchlich diskutiertes Gebiet der visuellen Wahrnehmung. Farbe kann von unterschiedlichen Fachgebieten zum Forschungsgegenstand gewählt werden, z.B. aus der Sicht der Physik, Chemie, Medizin, Psychologie, Physiologie, Farbentheorie, Drucktechnik, Fotografie, Neuen Medien, Philosophie, Theologie oder der Bildenden Kunst.

Aus all diesen Bezugsfeldern heraus wurden Theorien über Wahrnehmung und Anwendung von Farben entwickelt, die bei der Erklärung bestimmter Wahrnehmungsvorgänge oft ineinander greifen und miteinander vernetzt sind. Je mehr man die verschiedenen fachlichen und wissenschaftlichen Zugriffe auf den Bereich Farbe verfolgt und je mehr man dabei in die Geschichte der Farbenlehren zurückgeht, um so deutlicher wird, dass es nicht eine alle Erscheinungen erklärende Farbtheorie gibt.

Die Verschiedenheit der Auffassungen sollte Anlass sein, nicht eine einzige Theorie der Farbe oder eine einzige Farbenlehre als allein gültige zu betrachten und zu vermitteln und damit außerdem wesentliche Momente der Subjektivität und Irrationalität, die dem Erleben von Farbe und dem Gestalten mit Farbe innewohnen, zu verneinen oder gar zugunsten vermeintlich objektiver Gesetzmäßigkeiten zu unterdrücken.

Umfangreiche Materialien und Quellen zu Fragen der physikalischen und psychologischen Fragen der Farbwahrnehmung, zu Aspekten der Geschichte der Farbenlehren und der Farbgestaltung in der Geschichte der Malerei von der Höhlenmalerei bis zur Kunst der Gegenwart, zur Bedeutung der Farbe in der gestalteten Umwelt, vor allem aber auch zu Aspekten der Farbenchemie, des Herstellens von Farben und Farbstoffen finden sich im Lexikon der Farben (www.seilnacht.tuttlingen.com) von Thomas Seilnacht.                                                                          


                                                                                              

Der Farbe-an-sich-Kontrast 


Franz Marc: Pferd in Landschaft, 1910

 
Die reinbunten Farben bilden untereinander bereits einen Kontrast. Nach Itten ist der Kontrast am stärksten, wenn der Dreiklang Gelb, Rot und Blau verwendet wird. Die geschickte Zusammenstellung der Farben erzeugt Stimmungen und Spannungen, die den Betrachter unmittelbar ansprechen.


 

Der Hell-Dunkel-Kontrast 


Michelangelo Caravaggio:
Berufung des heiligen Matthäus, 1599

 
Die hellen, leuchtenden Farben im Dunkel des Raumes verleihen dem Bild Caravaggios Ausdrucksstärke und Dramatik. Helles und Dunkles spielt in unserem alltäglichen Leben eine entscheidende Rolle. In der Malerei wird dieser Kontrast vor allem auch in der Landschaftsmalerei eingesetzt.


 

Der Kalt-Warm-Kontrast 


Paul Cézanne: Das Meer bei L'Estaque, 1876

 
Das Blau des Himmels und des Wassers wirkt im Gegensatz zu den warmen Rot- und Gelbtönen der Häuser auf Cézannes Bild eher kühl. Gerade aber durch diesen Gegensatz wirken die Häuser besonders einladend und angenehm. Kälte und Wärme sprechen die Gefühle und Empfindungen eines Betrachters besonders an.


 

Der Komplementärkontrast 


Vincent van Gogh: Nachtcafé, 1888

 
Das exzessive und fast aufdringliche Vorherrschen der Farbe (Rot) und der
Komplementärfarbe (Grün) im Nachtcafé verstärkt beim Betrachter die von dem Bild ausgehenden Gefühle. Man empfindet Verlorenheit oder Traurigkeit. "Ich habe versucht, mit Rot und Grün die schrecklichen menschlichen Eigenschaften auszudrücken." (Zitat von van Gogh)

Neue Farbentheorien nehmen exakte Messungen vor, so dass jeder Farbe bestimmte Wellenlängen zugeordnet werden können. Trifft weißes Licht auf eine farbige Fläche, werden bestimmte Wellenanteile des Lichts absorbiert. Als Farbeindruck sehen wir dann den reflektierten Anteil des Lichts als Komplementärfarbe zum absorbierten Anteil.

Wellenlänge des absorbierten

Lichts (in Nanometer)

Zugeordnete 

Farbe des

absorbierten Farbanteils

Farbeindruck des "Restlichts" (reflekt. Komplementärfarbe)

400-435

violett

gelbgrün

435-480

blau

gelb

480-490

grünblau

orange

490-500

blaugrün

rot

500-560

grün

purpur

560-580

gelbgrün

violett

580-595

gelb

blau

595-605

orange

grünblau

605-770

rot

blaugrün

 


 

Der Qualitätskontrast 


August Macke:
Kathedrale zu Freiburg in der Schweiz, 1914

 
Die Stadt Fribourg wurde von dem Maler recht düster gesehen, was an den stark vergrauten Farben erkennbar ist. Im Gegensatz dazu hebt sich das leuchtende und gesättigte Gelb und Rot der kleinen Wirtshausschilder umso mehr hervor, wodurch menschliche Wärme in der Kneipe angedeutet wird.


 

Der Quantitätskontrast 


Vincent van Gogh: Die Sternennacht, 1889

 

Schon Schopenhauers Farbkreis wies darauf hin, dass die Wirkung einer Farbe von ihrer Leuchtkraft und ihrer Flächengröße abhängt. In dem Bild Sternennacht dominiert das kalte Blau der Nacht flächenmäßig. Trotzdem erzeugen die Sterne und der Mond einen gleichwertigen Gegenpol, so dass ein Gefühl der Geborgenheit suggeriert wird.


 

Der Farbkreis nach Schopenhauer 


 

Der Simultankontrast 


Georges Seurat:
"Un dimanche après-midi à l'Ile de la Grande Jatte, 1884-1886

 
Der Simultankontrast beruht darauf, dass eine Farbe von ihrem Untergrund beeinflusst wird. Das Paar rechts im Vordergrund wird von der gelben Farbe der Wiese bestimmt. Man "sieht" einen Teil des Gelbs im Kleid der Dame mit und denkt gleichzeitig an die Komplementärfarbe Violett.
 

 

 
 
Wenn Sie die roten Ringe betrachten werden Sie beobachten, dass die Farben der Ringe unterschiedlich erscheinen. Das Rot wird vom Farbuntergrund beeinflusst und eventuell sehen Sie auch ein Orange im mittleren Farbring. Die Wirkung des Effekts beruht darauf, dass wir, sobald wir eine Farbe sehen, auch immer deren komplementäre Ergänzung mit sehen. Diese beeinflusst die Ausgangsfarbe. Ein starker Simultankontrast entsteht immer dann, wenn man zu der Ausgangsfarbe eine Farbe hinzufügt, die im Farbkreis neben der komplementären Farbe steht.


Hans-Josef Schmitt